Gipfeltreffen
Ensemble Almanach und Ulrich Noethen
Die Berge üben seit jeher eine besondere Faszination auf den Menschen aus. Sie sind Sehnsuchtsort und Grenzraum zugleich: Orte überwältigender Schönheit, stiller Weite und intensiver Naturerlebnisse – und zugleich Landschaften voller Gefahren. Lawinen, Felsstürze und menschenfeindliche Höhen erinnern daran, wie klein der Mensch in dieser Welt sein kann. Gerade dieses Spannungsfeld aus Freiheit, Risiko und Staunen zieht Menschen immer wieder in die Berge.
Mit dem Programm „Gipfeltreffen“ begibt sich das Ensemble Almanach gemeinsam mit dem renommierten Schauspieler Ulrich Noethen auf eine musikalisch-literarische Reise in diese faszinierende Welt.
Kunstlieder von Franz Schubert, Robert Schumann und Franz Lachner sowie bekannte Volksmelodien zeichnen zunächst ein farbenreiches Panorama der Alpen: blauer Himmel, klare Luft, die besondere Helligkeit der Bergsonne, Wiesen und Dörfer, die sich an die Hänge schmiegen. Die Musik erzählt von der Schönheit der Landschaft und von den Menschen, die dort leben – begleitet von literarischen Texten, die diese Welt lebendig werden lassen. So entsteht eine musikalische Wanderung durch die Berge, die das Publikum mitnimmt auf eine Reise durch Landschaft, Klang und Imagination – ganz ohne Wanderstiefel anziehen zu müssen.
Doch die Berge zeigen auch ein anderes Gesicht. Aus der scheinbar friedlichen Landschaft wächst plötzlich ihre gewaltige und unberechenbare Seite hervor. Lieder von Franz Schubert, Franz Lachner und Toni Ortelli (La Montanara) lassen die Kräfte der Natur hörbar werden: Fels, der sich löst, Steine, die ins Tal stürzen, das grollende Donnern einer Lawine. Was eben noch idyllisch erschien, wird zum Schauplatz elementarer Naturgewalten. Schönheit und Gefahr liegen hier untrennbar nebeneinander – und gerade darin liegt die besondere Faszination der Berge.
Die literarischen Texte werden von Ulrich Noethen gelesen. Mit seiner ruhigen, präzisen und zugleich äußerst bildhaften Vortragsweise gelingt es ihm, die Welt der Berge unmittelbar erfahrbar zu machen. Ohne Pathos, aber mit großer Intensität entfaltet er die Atmosphäre der Texte und lässt Landschaften, Figuren und Situationen lebendig werden. Seine Stimme führt das Publikum durch diese Bergwelt, verbindet die einzelnen musikalischen Stationen miteinander und öffnet einen Raum, in dem Musik und Literatur einander spiegeln und vertiefen.
Das Ensemble Almanach schafft dabei ein Hörerlebnis der besonderen Art. In seiner außergewöhnlichen Besetzung aus Hackbrett, Klarinette, Akkordeon, Kontrabass und Gesang eröffnet das Quintett neue Klangräume für das klassische Kunstlied. Mit feinem Gespür, lebendiger Gestaltungskraft und einem Hauch alpenländischer Klangtradition lassen die Musikerinnen bekannte Lieder in neuem Licht erscheinen.
Die eigens für diese Besetzung geschaffenen Arrangements von Patrick Braun verleihen den Liedern von Schubert und Co. ein zeitgemäßes Klanggewand. Warme, erdige Farben des Hackbretts, transparente Linien von Klarinette und Akkordeon und das tragende Fundament des Kontrabasses formen gemeinsam mit der Stimme ein klangfarbenreiches musikalisches Panorama. So entsteht eine Musik, die zugleich vertraut und überraschend neu klingt – nahbar, unmittelbar und von großer atmosphärischer Kraft.
Wien, Weib und Gesang
Ein Konzertabend zwischen Walzerrausch, Kunstlied und Expressiver Moderne.
Dieses Programm erzählt von Wien als musikalischem Sehnsuchtsort: von der romantischen Innerlichkeit Franz Schuberts, über den schillernden Walzerrausch Johann Strauß’ bis hin zur dunklen, zerrissenen Klangwelt Alban Bergs an der Schwelle zur
Moderne. Zwischen Heiterkeit und Abgrund, Tanz und Einsamkeit, Schönheit und Verfall entfaltet sich ein musikalisches Panorama jener Stadt, in der das Kunstlied geboren wurde und sich zugleich neu erfand. Das Konzert führt in eine Atmosphäre, die zugleich verführerisch und verstörend ist – ein Wien im Zwielicht zwischen Glanz und Untergang.
Der Ausgangspunkt dieses Programms sind die bezaubernden Jugendlieder von Alban Berg, die den inhaltlichen und klanglichen Kern des Abends bilden. Diesen Werken stellt das Ensemble Almanach Lieder von Franz Schubert zur Seite – dem Wiener Urvater des Kunstliedes, dessen Musik die emotionale und poetische Tiefe dieses Genres bis heute prägt. Mit Liedern wie Erlkönig, Gretchen am Spinnrad und Die Forelle wird der Ursprung des romantischen Liedes hörbar, aus dem sich später auch Bergs musikalische Sprache entwickelt. Als musikalische Brücke
zwischen diesen beiden weltberühmten Komponisten fungieren zwei Werke des Wiener Walzerkönigs Johann Strauß (Sohn). Seine Musik verkörpert den Glanz, die Eleganz und die schillernde Oberfläche jener Stadt, in der sich unter der heiteren Fassade bereits die Brüche und Abgründe der Jahrhundertwende ankündigt.So spannt das Programm einen Bogen vom romantischen Ursprung des Kunstliedes über den Walzer als Klangsymbol Wiens bis hin zur expressiven Moderne Alban
Bergs, der ein großer Johann Strauss (II) Verehrer war und auf spektakuläre Art den Walzer “Wein, Weib und Gesang” für eine Salonfähige Besetzung arrangierte– und macht die Entwicklung einer Stadt, einer Epoche und einer musikalischen Sprache
hörbar.
Das Ensemble Almanach interpretiert diese selten gespielten Werke in einer außergewöhnlichen Besetzung: Hackbrett, Akkordeon, Kontrabass und Klarinette umrahmen die Stimme mit einer Klangwelt, die zwischen schimmernder Zartheit und rauer Expressivität oszilliert. Die ursprünglich für Klavier komponierten Lieder gewinnen so eine neue Farbe – mal kammermusikalisch durchsichtig, mal dunkel glühend, mit Anklängen an Volksmusik, Theater und Moritat. Die vertraute spätromantische Melancholie Bergs verwandelt sich in eine fragile Mischung aus Intimität, Ironie und abgründiger Schönheit.
Schönheit & Staasversagen
War früher wirklich alles besser?
Diese Frage steht im Zentrum von „Schönheit & Staatsversagen“ dem Konzert und Lesungsprogramm des Ensemble Almanach. Mit kunstvollen Arrangements und literarischen Quellen beleuchten die Musikerinnen und der Schauspieler das Spannungsfeld zwischen romantischer Verklärung und harter Realität des Landlebens um 1800 in Bayern.
Musik neu gedacht
Im Mittelpunkt stehen Kunstlieder des frühen 19. Jahrhunderts – Werke von Franz Lachner oder Josephine Lang, aber auch Robert Schumann u.a., die heute kaum mehr bekannt sind. Doch statt klassischer Klavierbegleitung setzt das Ensemble auf eine ungewöhnliche Besetzung: Hackbrett, Akkordeon, Kontrabass und Klarinette begleiten die Stimme und verleihen den Liedern eine völlig neue, klangfarbenreiche Dimension und schaffen eine Atmosphäre, die gleichermaßen nach Salon wie nach Dorfwirtschaft klingen kann.
Literatur trifft Musik
Ergänzt wird die Musik durch literarische Zeugnisse aus jener Zeit. Im Fokus steht der fleißige Verwaltungsbeamte Joseph von Hazzi (1768–1845), dessen „Statistische Aufschlüsse über das Herzogthum Baiern“ eine schonungslose Bestandsaufnahme liefern: Armut, Vernachlässigung und Staatsversagen – aber auch Feste, Bräuche und das lebendige Musizieren der Landbevölkerung. Von einem Schauspieler vorgetragen, werden die Gedanken und Sorgen der Menschen jener Zeit lebendig.
Ein spannender Perspektivwechsel
Das Ensemble Almanach widmet sich dem bayerischen Kulturraum, der immer wieder als Sinnbild für eine vermeintlich „bessere“ Vergangenheit herhalten muss. Doch wie viel Wahrheit steckt in diesen Bildern? Indem die Akteur*innen romantische Sehnsuchtsmotive mit dokumentierten Realitäten konfrontiert, entsteht ein fesselndes Konzertprogramm, das Vergangenheit und Gegenwart neu miteinander verknüpft.
Bach und Bachs
Johann Sebastian Bach und Friends im Alpensound
Johann Sebastian Bach hinterließ nicht nur ein beeindruckendes musikalisches Erbe, sondern auch zahlreiche Erben - eine Familie, die seine Tradition fortsetzte und die Musik des Barock und darüber hinaus prägte.
Mit dem Konzertprogramm “Bach & Bachs” widmet sich das Ensemble Almanach dem Leben und Schaffen Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann Christoph Friedrich und Johann Christian, aber auch dem seiner Zeitgenossen und Weggefährten wie Leopold Mozart oder Georg Philipp Telemann.
Dass es für ein Bach-Programm kein Orchester, keinen Chor und viele SolistInnen braucht, beweist das Ensemble Almanach mit seiner kleinen, unkonventionellen Besetzung. Hackbrett, Kontrabass, Klarinette, Akkordeon und Gesang geben einerseits den verspielten italienischen Opern Johann Christian Bachs, andererseits den großen Passionen seines Vaters Johann Sebastian einen intimen Rahmen.
Eine weitere Komponente, die das Konzertprogramm abrundet, ist die Kombination von Bachs Werken mit Volksliedern aus der Barockepoche. Almanach möchte die Musik zu ihren Wurzeln zurückführen und zeigen, dass die Lieder und Arien, die wir heute als Hochkultur kennen, zu ihrer Entstehungszeit als „Gebrauchsmusik“ zum Alltag gehörten.
Das Publikum ist mit den Ohren ganz nah am Geschehen und erhält durch dieses kurzweilige und unterhaltsame Konzertprogramm einen Einblick in den musikalischen Facettenreichtum einer der berühmtesten Komponistenfamilien. Das Ensemble Almanach macht die Musik der Familie Bach auf einzigartige Weise nahbar, sowohl im kammermusikalischen Detail als auch in der großen theatralischen Geste. Ohne Abstriche bei der musikalischen Präzision und natürlich mit Seele, mit Alma!