Gipfeltreffen

Ensemble Almanach und Ulrich Noethen

„Ich komme vom Gebirge her, es dampft das Tal, es braust das Meer!“ – mit diesen Worten beginnt Franz Schuberts berühmtes Lied ”Der Wanderer”, das die Zuhörenden klanggewaltig in eine Welt aus Bergen, Abgründen und Naturgewalten führt. Wir lauschen und spüren eine Sehnsucht nach Abenteuer, nach den Alpen und ihren schneebedeckten Gletschern. Die Musik lässt Gefahren aufscheinen, aber auch glückliche Erinnerungen an Heimat und Vergangenes.

Schubert selbst war kein Bergsteiger; er konnte nur erahnen, wie das Kraxeln in luftigen Höhen tatsächlich aussah. Doch wie mag es im 19. Jahrhundert gewesen sein, an einem Hanfseil, in Leinenhose und Filzhut die riesigen Gipfel der Alpen zu erklimmen? Das Konzert- und Lesungsprogramm „Gipfeltreffen“ des Ensemble Almanach und Schauspieler Ulrich Noethen wagt einen Blick hinter die Kulissen und widmet sich dieser Frage sowohl musikalisch als auch literarisch.

Mit Liedern bekannter Komponisten wie Franz Schubert oder Robert Schumann, aber auch Volksliedern die den Kosmos der Berglandschaften umkreisen, entsteht ein musikalischer Spannungsbogen. Ergänzt werden sie durch die lebhaften und humorvollen Erlebnisberichte des Alpinisten A. J. Mummery, der seine Liebe zur Bergkraxelei, zu Naturgewalten und ihren Gefahren eindrucksvoll schildert – vorgetragen von dem Schauspieler Ulrich Noethen.


Die ruhige, präzise und atmosphärisch dichte Vortragsform Ulrich Noethens lässt uns die damalige Zeit nachempfinden und erweckt die Welt der wagemutigen Bergsteiger, ihre Gedanken und Gefühle auf besondere Weise zum Leben. Mit feiner, unaufdringlicher Emotionalität gestaltet er Figuren und Stimmungen nuanciert und eindringlich.

Gemeinsam erschaffen das Ensemble Almanach und Ulrich Noethen ein besonderes Konzerterlebnis: Die Zuhörenden werden zu Mitwissenden und erhalten Einblick in eine vermeintlich vertraute und doch überraschend unbekannte Welt. Ohne Steigeisen und Eispickel – aber dafür mit Seele, mit Alma.

Wien, Weib und Gesang

Ein Konzertabend zwischen Walzerrausch, Kunstlied und Expressiver Moderne.


Dieses Programm erzählt von Wien als musikalischem Sehnsuchtsort: von der romantischen Innerlichkeit Franz Schuberts, über den schillernden Walzerrausch Johann Strauß’ bis hin zur dunklen, zerrissenen Klangwelt Alban Bergs an der Schwelle zur

Moderne. Zwischen Heiterkeit und Abgrund, Tanz und Einsamkeit, Schönheit und Verfall entfaltet sich ein musikalisches Panorama jener Stadt, in der das Kunstlied geboren wurde und sich zugleich neu erfand. Das Konzert führt in eine Atmosphäre, die zugleich verführerisch und verstörend ist – ein Wien im Zwielicht zwischen Glanz und Untergang.

Der Ausgangspunkt dieses Programms sind die bezaubernden Jugendlieder von Alban Berg, die den inhaltlichen und klanglichen Kern des Abends bilden. Diesen Werken stellt das Ensemble Almanach Lieder von Franz Schubert zur Seite – dem Wiener Urvater des Kunstliedes, dessen Musik die emotionale und poetische Tiefe dieses Genres bis heute prägt. Mit Liedern wie Erlkönig, Gretchen am Spinnrad und Die Forelle wird der Ursprung des romantischen Liedes hörbar, aus dem sich später auch Bergs musikalische Sprache entwickelt. Als musikalische Brücke

zwischen diesen beiden weltberühmten Komponisten fungieren zwei Werke des Wiener Walzerkönigs Johann Strauß (Sohn). Seine Musik verkörpert den Glanz, die Eleganz und die schillernde Oberfläche jener Stadt, in der sich unter der heiteren Fassade bereits die Brüche und Abgründe der Jahrhundertwende ankündigt.So spannt das Programm einen Bogen vom romantischen Ursprung des Kunstliedes über den Walzer als Klangsymbol Wiens bis hin zur expressiven Moderne Alban

Bergs, der ein großer Johann Strauss (II) Verehrer war und auf spektakuläre Art den Walzer “Wein, Weib und Gesang” für eine Salonfähige Besetzung arrangierte– und macht die Entwicklung einer Stadt, einer Epoche und einer musikalischen Sprache

hörbar. 
Das Ensemble Almanach interpretiert diese selten gespielten Werke in einer außergewöhnlichen Besetzung: Hackbrett, Akkordeon, Kontrabass und Klarinette umrahmen die Stimme mit einer Klangwelt, die zwischen schimmernder Zartheit und rauer Expressivität oszilliert. Die ursprünglich für Klavier komponierten Lieder gewinnen so eine neue Farbe – mal kammermusikalisch durchsichtig, mal dunkel glühend, mit Anklängen an Volksmusik, Theater und Moritat. Die vertraute spätromantische Melancholie Bergs verwandelt sich in eine fragile Mischung aus Intimität, Ironie und abgründiger Schönheit.

Schönheit & Staasversagen

War früher wirklich alles besser?

Diese Frage steht im Zentrum von „Schönheit & Staatsversagen“ dem Konzert und Lesungsprogramm des Ensemble Almanach. Mit kunstvollen Arrangements und literarischen Quellen beleuchten die Musikerinnen und der Schauspieler das Spannungsfeld zwischen romantischer Verklärung und harter Realität des Landlebens um 1800 in Bayern.

Musik neu gedacht
Im Mittelpunkt stehen Kunstlieder des frühen 19. Jahrhunderts – Werke von Franz Lachner oder Josephine Lang, aber auch Robert Schumann u.a., die heute kaum mehr bekannt sind. Doch statt klassischer Klavierbegleitung setzt das Ensemble auf eine ungewöhnliche Besetzung: Hackbrett, Akkordeon, Kontrabass und Klarinette begleiten die Stimme und verleihen den Liedern eine völlig neue, klangfarbenreiche Dimension und schaffen eine Atmosphäre, die gleichermaßen nach Salon wie nach Dorfwirtschaft klingen kann.

Literatur trifft Musik

Ergänzt wird die Musik durch literarische Zeugnisse aus jener Zeit. Im Fokus steht der fleißige Verwaltungsbeamte Joseph von Hazzi (1768–1845), dessen „Statistische Aufschlüsse über das Herzogthum Baiern“ eine schonungslose Bestandsaufnahme liefern: Armut, Vernachlässigung und Staatsversagen – aber auch Feste, Bräuche und das lebendige Musizieren der Landbevölkerung. Von einem Schauspieler vorgetragen, werden die Gedanken und Sorgen der Menschen jener Zeit lebendig.


Ein spannender Perspektivwechsel

Das Ensemble Almanach widmet sich dem bayerischen Kulturraum, der immer wieder als Sinnbild für eine vermeintlich „bessere“ Vergangenheit herhalten muss. Doch wie viel Wahrheit steckt in diesen Bildern? Indem die Akteur*innen romantische Sehnsuchtsmotive mit dokumentierten Realitäten konfrontiert, entsteht ein fesselndes Konzertprogramm, das Vergangenheit und Gegenwart neu miteinander verknüpft.

Bach und Bachs

Johann Sebastian Bach und Friends im Alpensound

Johann Sebastian Bach hinterließ nicht nur ein beeindruckendes musikalisches Erbe, sondern auch zahlreiche Erben - eine Familie, die seine Tradition fortsetzte und die Musik des Barock und darüber hinaus prägte.
Mit dem Konzertprogramm “Bach & Bachs” widmet sich das Ensemble Almanach dem Leben und Schaffen Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann Christoph Friedrich und Johann Christian, aber auch dem seiner Zeitgenossen und Weggefährten wie Leopold Mozart oder Georg Philipp Telemann.

Dass es für ein Bach-Programm kein Orchester, keinen Chor und viele SolistInnen braucht, beweist das Ensemble Almanach mit seiner kleinen, unkonventionellen Besetzung. Hackbrett, Kontrabass, Klarinette, Akkordeon und Gesang geben einerseits den verspielten italienischen Opern Johann Christian Bachs, andererseits den großen Passionen seines Vaters Johann Sebastian einen intimen Rahmen.

Eine weitere Komponente, die das Konzertprogramm abrundet, ist die Kombination von Bachs Werken mit Volksliedern aus der Barockepoche. Almanach möchte die Musik zu ihren Wurzeln zurückführen und zeigen, dass die Lieder und Arien, die wir heute als Hochkultur kennen, zu ihrer Entstehungszeit als „Gebrauchsmusik“ zum Alltag gehörten.

Das Publikum ist mit den Ohren ganz nah am Geschehen und erhält durch dieses kurzweilige und unterhaltsame Konzertprogramm einen Einblick in den musikalischen Facettenreichtum einer der berühmtesten Komponistenfamilien. Das Ensemble Almanach macht die Musik der Familie Bach auf einzigartige Weise nahbar, sowohl im kammermusikalischen Detail als auch in der großen theatralischen Geste. Ohne Abstriche bei der musikalischen Präzision und natürlich mit Seele, mit Alma!